Mit einer der häufigsten Fragen von Papageienhaltern ist die nach einem Tierarzt, der über gute Fachkenntnisse verfügt oder sogar auf Papageien spezialisiert ist.
Inzwischen finden sich im Internet einige Listen von Tierärzten, die von Papageienhaltern aufgrund ihrer eigenen positiven Erfahrungen als papageienerfahrene Veterinäre empfohlen werden.1bspw. auf vogelnetzwerk.de Vogelkundige Tierärzte in Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg und Tierheilpraktiker

In einem Vogelforum kam mir aufgrund einer solchen Frage nach einem geeigneten Tierarzt die Idee, einen „Katalog“ aufzustellen, der zumindest Hilfestellung bietet und Hinweise gibt, wie und woran man einen guten Vogeltierarzt erkennen kann.
Und zugleich:

Kann der Vogelpfleger die Fragen des Tierarztes beantworten?

Der Liste hilft auch dem Papageienhalter, seine Kompetenz zu bestimmen, wo Informationslücken auftauchen und welcher Maßnahmen in der Haltung, in der Beziehung und im Verhalten der Halter zu den Papageien ergreifen sollten.

Dieser „Katalog“ basiert in der Hauptsache auf den Ausführungen zur Anamnese von E. Kaleta im „Kompendium der Ziervogelkrankheiten“2Kaleta et al. 1999, Kompendium, S. 57ff., d. h. zur Krankenvorgeschichte, wie sie zumindest beim ersten TA-Besuch aufgenommen werden sollte und bei der u. a. auch die Kompetenz des Tierhalters festzustellen ist.

Demnach wäre ein guter Vogeltierarzt daran zu erkennen, dass der Vet bei der Erstvorstellung in etwa folgende Fragen stellt (bzw. in einem Gespräch über folgende Punkte Aufklärung erhalten will):

Symptomatik und Krankheitsverlauf

Die „eigentlichen“ Fragen zum Vorstellungsgrund und zu den klinisch-diagnostischen Aspekten:
Symptomatik und Krankheitsverlauf, u.a.

  • zum Infektionszeitpunkt (Inkubationszeit);
  • zur betroffenen Vogelart und Altersgruppen bei Gesellschaftshaltung;
  • Angaben zur Beschaffenheit (nicht nach Veränderung fragen) des Kotes;
  • Fragen nach „Leistungsparametern“ wie Brut- oder Balztätigkeit, Ausdauer beim Freiflug, Gesangs- oder Sprechlust;
  • Infektionsmöglichkeiten durch Neuzugänge, Ausstellungen, Naturboden, Außenvolieren, Wildtiere, besondere Umstände;
  • vorangegangene Maßnahmen (Laientherapie und / oder Therapie durch einen anderen Vet),
  • Laboruntersuchungen und deren Befunde, Impfungen.

Kompetenz des Vogelhalters

Fragen zur Kompetenz des Vogelhalters, von der u. a. auch die Art der Therapie abhängt:

  • Wie intensiv und über welchen Zeitraum hat der Vogelhalter den erkrankten Vogel beobachtet?
  • Wie ist der Vogelhalter über die Biologie und Bedürfnisse des Vogels informiert (z.B. Spezies, Geschlecht, Besonderheiten im Verhalten, Futterbedarf)?
  • Welche Beziehung hat der Vogelhalter zum Vogel (Vermenschlichung, Kindersatz, Dekoration)?
  • Hat er direkten Kontakt zum Vogel und kann ihn anfassen?

Haltungsbedingungen

Fragen zu den Haltungsbedingungen und wie lange der vorgestellte Vogel unter welchen Haltungsbedingungen lebte:

  • Einzel– , Wohnzimmer- oder Gruppenhaltung in Volieren;
  • Käfig-, Volierengröße, Bauweise und –ausführung (verwendete Materialien, Verarbeitung, Zugluft, Mikroklima);
  • Käfig-, Volierenstandort (Küche, Wohnzimmer, Stellhöhe, Fensterplatz, Heizungsnähe, andere Haustiere, Standplatzänderung, künstliche Beleuchtung und welcher Art, Sonnenlicht);
  • Käfigausstattung (Gitteranordnung, scharfkantiges Spielzeug, Spiegel, Sitzstangenmaterial, Sandpapierauflagen u.ä.), Fütterungs- und Tränketechnik (Futter-, Wasserspender, Gefäßgrößen und-material, Platzierung);
  • 1Hygiene (Intervall der Käfigreinigung, Säuberung und Desinfektion der Näpfe, Trinkwasserwechsel, Erneuerung der Einstreu);
  • Belastungsfaktoren (wie Freiflug, Hitze/Kälte, Gruppenstreß, Mauser, andere Haustiere und Kleinkinder, Fütterungsfehler);
  • Sozialverhalten (Wechsel der Beistzer, Bezugspersonen, Partnervögel. Alter, Geschlecht des Vogels, Lieblingsfutter, Verhaltensweisen, bevorzugter Ruheplatz);
  • Fütterung (Futterqualität und -zusammenstellung: Lagerungsbedingungen und -zeit, welches Futter in welcher Dosierung angeboten und welche Komponenten tatsächlich aufgenommen wurden, wieviel der Vogel frißt und trinkt, Wechsel des Futters, Zusatzfutter.

Natürlich ist ein solcher „Katalog“ idealtypisch und im Alltag der tierärztlichen Praxis kann auch von einem vogelerfahrenen Tierarzt nicht verlangt werden, dass er immer danach vorgeht.
Dennoch kann ein solcher „Katalog“ vielleicht doch auch für Halter Anhaltspunkte dafür liefern, ob ein Vet sich mit der Vogelhaltung und den Vögeln intensiver beschäftigte.
Er sagt freilich noch nichts über den veterinärmedizinischen Wissenstand des Vets aus und ob dieser bspw. aktuell ist.
Umgekehrt kann auch ein TA, der einen Teil dieser Fragen nicht stellt (und sei es nur, weil gerade an diesem Tag in der Praxis viel los ist), über großes Fachwissen verfügen.

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