Papageien sind hochintelligente Vögel. Einige Großpapageienarten wie der Graupapagei gehören zu den intelligentesten Vögeln überhaupt.
Es gibt die These, dass ein Graupapagei etwa die Intelligenz eines dreijährigen Kindes erreicht.
Das aber stellt den Halter vor besondere Herausforderungen: den gerade intelligente Tiere sind in Gefahr, geistig zu verkümmern, wenn ihnen nicht entsprechende Leistungen abverlangt und sie Gewohnheitstiere werden.
Bei der Haltung in Menschen Hand ist ein Papagei von vielen enthoben, was er in freier Wildbahn machen muss: Futtersuche, das zurückfinden zum Schlafplatz, Nistplatzsuche, Revierverteidigung gegen artgleiche und artfremde Rivalen und Konkurrenten, Flucht bzw. Abwehr von Fressfeinden etc.

Papageien im Freileben sind fast ständig körperlich und geistig beansprucht.
Ganz anders die Haltung in Menschenhand: hier finden sich solche körperlichen und geistigen Herausforderungen kaum.
Monotonie, Eintönigkeit entsteht bei gleichförmigen, nicht beanspruchenden Tätigkeiten (Gewohnheiten) bei gegebener Reizarmut.
Intelligenz als Fähigkeit, zweckvoll zu handeln und sich effektiv mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen, verkümmert.

Dabei bietet die Haltung in Außenvolieren den Papageien –  ihr Lebensraum –  oft noch viel mehr Umweltreize als der Lebemsraum in der Wohnungshaltung:

  • Akustische Reize (Hören) wie die Geräusche von anderen Vögeln und Tieren, von Wind, sich bewegenden Laub, aber auch von Menschen produzierten Geräuschen
  • Optische Reize (Sehen) durch andere frei lebende Vögel, Bäume, sich bewegendes Laub, Wolken am Himmel, unterschiedliche Lichtverhältnisse im Tages- und Jahresablauf
  • Taktile Reize (Fühlen) durch die Klimaschwankungen, durch Sonne und Regen, Wind, Temperatur.
  • Olfaktorische Reize (Riechen) sind gleichfalls gegeben, wenn auch ungewiß ist, wie stark der Geruchssinn bei Papageien ausgeprägt ist. Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, das er eher gering ausgeprägt ist, jedoch weiß man von anderen Vogelarten, das auch zwischen Nahe verwandten Arten es große Unterschiede geben kann.

Ohne dass der Halter selbst etwas aktiv dazu beitragen muss sind also in der Außenvolierenhaltung eine Vielzahl an Umweltreizen gegeben, die die Wahrnehmung der Vögel ansprechen und trainieren und auf die der Vogel gegebenenfalls reagiert.1Einführung in die Verhaltensforschung

Anders in der Wohnungshaltung: Temperaturveränderungen sind gering, Lichtverhältnisse ändern sich zwar, aber in einem sehr viel geringeren Umfang als draußen, Regen und Wind gibt es nicht, Geräusche von außen kommen nur sehr gedämpft an wenn überhaupt, Bewegungen sind fast nur die des Halters.
Im Vergleich zur Außenvoliere ist der Lebensraum Wohnung also sehr reizlos und (negative) Gewohnheiten entstehen.

Auch in der Außenvolierenhaltung können und müssen durch Einrichtung und Ausstattung der Voliere den Vögeln noch weitere zusätzliche Reize vermittelt werden.
Noch wichtiger erscheint dies aber in der Wohnungshaltung, um einen Vogel mehr Reize, wie z. B. mehr Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten.

Damit sind wir bei der Lebensraumbereicherung (enrichment) und Verhaltensanreicherung (Behavioral enrichment) der Papageien im Wohnzimmer angelangt, ein zentraler Grundsatz der Tiergartenbiologie und damit auch der Wohnungshaltung von Papageien .

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